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Was tun bei Augenverletzungen?
„In´s Auge gegangen“
… ist ein bekannter Ausdruck für ein Missgeschick der schlimmeren Art. Mit Sinnsprüchen wie „Augen zu und durch“ oder „Auge um Auge“, egal ob mundartlichen oder biblischen Ursprungs ist das Auge regelmäßig in aller Munde.
Doch was, wenn die Metapher zur Realität wird und etwas im wahrsten Sinne des Wortes „ins Auge ging“?
Zuzwinkern gehört nicht zum Verhaltensmuster des Pferdes und der Pferdehalter, der bei einer Augenverletzung erst einmal „beide Augen zudrückt“ und abwartet wird unter Umständen nicht nur mit „einem blauen Auge davonkommen“, sein Pferd erst recht nicht.
Augenverletzungen sind extrem schmerzhaft, zudem heilen auch kleine Wunden schlecht ab, da die Hornhaut des Auges nicht so gut versorgt ist wie z.B. die Haut. Eine Narbe am Rumpf des Pferdes die durch eine nicht optimal versorgte Wunde zurückbleibt ist zumeist ein reiner Schönheitsfehler, eine Narbe auf der Hornhaut des Auges kann die Sehfähigkeit einschränken.
Doch gibt es überhaupt so etwas wie Erste –Hilfe –Maßnahmen? Wann ist Abwarten unbedenklich und was ist im Ernstfall das richtige Verhalten?
Diese und andere Fragen hat uns Prof. Dr. Dr. Jozsef Toth (Professor für Chirurgie und Augenheilkunde, Leiter der Augenklinik der Tierklinik Hochmoor) beantwortet.
Woran erkennt man eine Augenverletzung oder –erkrankung?
Das erkrankte Auge wird zugekniffen, oftmals ist ein deutlicher Tränenfluß oder sogar ein gelblicher Augenausfluß zu beobachten. Bei extrem schlimmen Augenverletzungen kann auch Blut oder blutige Tränenflüssigkeit abfließen.
In welchen Fällen muss sofort ein Tierarzt verständigt werden?
Wenn das Pferd das erkrankte Auge geschlossen hält, Schmerzen zeigt, wenn das Auge sichtbar verletzt ist oder blutiges Sekret abfließt, handelt es sich um einen absoluten Notfall!
Unbedingt einem Tierarzt vorgestellt werden sollten jedoch auch Pferde mit verstärktem Tränenfluß, gelblichem Augenausfluß oder gelegentlichem Zukneifen (Lichtscheuheit).
Auch Pferde die nur selten leichte Symptome zeigen, die aber immer wieder kommen, sollten gründlich untersucht werden, da es sich hierbei um eine chronisch rezidivierende Erkrankung handeln kann.
Welche Erste-Hilfe-Maßnahmen sind sinnvoll?
Ein Pferd mit einer Augenverletzung sollte in einem dunklen Stall aufgestallt werden, weiterer Lichteinfall und eine Belästigung und Infektionsgefahr durch Insekten können sehr gut mit einer Netzmaske („Fliegenmaske“) abgeschirmt werden.
Zusätzlich empfiehlt es sich, das Pferd so anzubinden, das es ihm nicht möglich ist, das erkrankte Auge durch Reiben an Gegenständen oder den Vorderbeinen weiter zu reizen oder evtl. sogar noch schlimmer zu verletzen.
Welche Erste-Hilfe-Maßnahmen sind nicht sinnvoll?
Das Auswaschen des Auges, da so u.U. Fremdkörper noch weiter in das Auge hineingebracht werden.
Gefährlich ist auch das Anwenden von Augensalben, die sich noch in der Stallapotheke befinden. Zum einen kann (und darf!!!) der Laie nicht entscheiden, welche Salbe für welche Erkrankung die richtige ist. Augensalbe mit dem –für diesen Fall- falschen Wirkstoff kann großen Schaden anrichten.
Zum anderen können bereits benutzte Augensalben, die nicht im Kühlschrank gelagert wurden erst eine richtige Infektion ins Auge bringen. Aus diesem Grund darf auch niemals eine Tube für mehrere Pferde verwendet werden.
Warum sind Augenverletzungen und –erkrankungen immer ernst zu nehmen?
Weil jedes Pferd nur zwei Augen hat!
Man kann ein Auge nicht ersetzen, wenn es einmal seine Fähigkeiten verloren hat, gibt es nichts, das seine Funktion übernehmen könnte.
Zwar kann ein irreparabel geschädigtes Auge entfernt werden, um dem Pferd Schmerzen zu ersparen, aber ersetzen kann man es nicht.
Auch wenn Pferde mit nur einem Auge (zum Teil sehr gut) leben können, sollte zunächst alles getan werden um das Auge in seiner Funktion als Sehorgan zu erhalten.
Da das Auge mit seiner direkten kurzen Verbindung zum Gehirn durch den Sehnerv als ein außerhalb gelegener Teil des Gehirns anzusehen ist, kann im schlimmsten Fall eine drastisch verlaufende Augeninfektion auf das Gehirn übergehen. In diesem Fall ist ein Pferd nicht mehr zu retten…
Text: Christina Flögel Bilder: Tierklinik Hochmoor
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